Nachruf zum Heimgang von Pfarrer i. R. Georg Gawaz

Pfarrer Gawaz

Am 28. April 2018 haben wir unseren ersten Pfarrer von Liebfrauen Bonlanden/Plattenhardt in seinem Heimatort Berkheim im Oberland zu Grabe getragen. Während eines feierlichen Requiems durfte ich im Namen unse­rer Kirchengemeinde ein ehrendes Abschiedswort sprechen:

„Nun lässt du, Herr, deinen Diener in Frieden scheiden“ (Lk 1,29)

Nach einem erfüllten Leben von 90 Menschenjahren hat Gott seinen treuen Priester Georg Gawaz, unseren ersten Pfarrer von Liebfrauen in Bonlanden/Plattenhardt (von Mai 1958 bis April 1979), zu sich heimgeholt.

Die besten Lebensjahre schöpferischer Arbeit, die kraftvollen Jahre zwischen 30 und 50, mehr als zwei Jahrzehnte, hat Georg Gawaz als Seelsorger, als Lehrer unserer Kinder, als Bauherr, als liebenswerter vorbildlicher Mensch unserer Gemeinde geschenkt, seiner ersten Pfarrgemeinde.

Er war unser erster Pfarrer überhaupt in der neugegründeten Diaspora-Nachkriegsgemeinde Liebfrauen in Bonlanden auf den Fildern. Voll Freude und mit großer Erwartung nahmen wir ihn und seine liebe Schwester Wilma, die ihm als Haushälterin, als Mesnerin, als Pfarrsekretärin und als Ansprechpartnerin für die Gemeinde selbstlos diente, damals auf. Georg Gawaz konnte in der Aufbruchsituation einer neu gegründeten Gemeinde eine Vielzahl seiner Begabungen und Charismen entfalten.

Beim äußeren Aufbau der Gemeinde wirkte unser Pfarrer als umsichtiger, kunstverständiger Bauherr, wobei er sich bis zur Erschöpfung engagierte. Es galt den gerade erst erstellten Neubau, den ersten katholischen Gotteshausbau im Herzen der Filder seit der Reformation, in den nächsten Jahren vollendend zu gestalten. Mit sicherem Stilgefühl und seinem profunden Wissen über Kirchenkunst gestaltete er mit dem bekannten Bildhauer Gerhard Tagwerker den Innenraum nach den liturgischen Vorgaben des gerade erfolgten II. Vatikanischen Konzils: einen Altar als Mensa versus populum, einen Ambo anstelle einer Kanzel, eine Sakramentenstele im Chorraum. Höhepunkt war die Anschaffung einer klanggewaltigen Orgel und die Einbringung des vierstimmigen Glockengeläutes als Abschluss des Kirchenbaus. Es folgte aber sofort der Bau eines Gemeindezentrums, um soziale Aufgaben als Kirchengemeinde zu übernehmen. So baute Georg Gawaz als junger dynamischer Pfarrer einen dreizügigen katholischen Kindergarten, den ersten auf den Fildern, und dazu gleich ein Jugendhaus mit den notwendigen Wohnungen für Kindergärtnerinnen und Hausmeister. Er erkannte, wie wichtig die frühkindliche religiöse Erziehung für die Weitergabe des Glaubens ist.

Pfarrer Georg Gawaz war nicht nur ein rühriger Bauherr, der unserer Gemeinde ein Gesicht gab, vor allem war er ein Priester nach dem Herzen Gottes. Hier entfaltete er seine charismatische Begabung einer inneren Frömmigkeit in aller Bescheidenheit, mit der er die Gemeinde bewegte und zur Kirche zu führen verstand. Unter seiner Hand in seinen zwei Jahrzehnten als Pfarrer wuchs die Kirchengemeinde von 1600 Gliedern auf 4000 Seelen. Hingebungsvoll wandte er sich den ihm anvertrauten Menschen zu. Er taufte unsere Kinder, führte sie als Religionslehrer in der Grund- und Hauptschule in die Glaubenswahrheiten ein, geleitete sie zur Erstkommunion und Firmung, sprach den Segen über junge Ehepaare, war Tröster in Krankheit und gab Hoffnung und Zuversicht den Trauernden am Grab. Er verstand es in harmonischer Art im Kirchengemeinde­rat gradlinig und dennoch progressiv das Verständnis von Kirche in den Zeiten des Umbruchs überzeugend im Gleichklang mit der Gemeinde zu erreichen. Georg Gawaz setzte sich als einer der ersten gegenüber dem Bischof für die viri probati zur Zulassung zur Priesterweihe ein, er drängte auf ein neues Rollen­verständnis der Frau in der Kirche und kam in der liturgischen Erneuerung mit der Aufführung der ersten Jazzmessen in der Kirche der Jugend entgegen; gleichzeitig förderte er die sakrale Kirchenmusik durch den Einsatz unseres Kirchenchores und einer gregorianischen Choralschola sowie durch jährliche orchestrale Kirchenkonzerte.

Über den Tellerrand der eigenen Kirchengemeinde schauend prägte er vom guten Willen für eine ökumenische Verständigung beseelt, ein konstruktives Verhältnis zu unseren evangelischen Nachbargemeinden in Bonlanden und Plattenhardt. Über gemeinsame Gebets- und Bibeltage hinaus, gab es sogar den Predigeraustausch zwischen der katholischen und evangelischen Kirchen­gemeinde.

Ganz besonders in Erinnerung bleibt die liebenswerte Zuneigung, die zutiefst humane Grundhaltung von Georg Gawaz zu den Mitmenschen. Über seinen pastoralen Dienst am Menschen pflegte er vielfältige gesellige Kontakte: es gab jährliche, oft mehrtägige Gemeindeausflüge, etwa nach Oberammergau oder Vierzehnheiligen, Wanderungen in den Bayrischen Bergen, aber auch über das ganze Jahr Veranstaltungen in den eigenen Gemeinderäumlichkeiten: vom Patroziniumsfest über das ökumenische Schnitzelessen, das er einführte, bis zu Faschingsveranstaltungen. Dabei entwickelten sich freundschaftliche Bindun­gen, die auch über die Dienstzeit als Pfarrer von Liebfrauen lebendig erhalten geblieben sind. An diesem Tage möchte eine kleine Abordnung, lieber Georg, stellvertretend für Deine erste Pfarrgemeinde Abschied von Dir nehmen: es ist symbolisch Deine erste Pfarrsekretärin während Deiner gesamten Pfarrzeit, Anna Necker, es ist weiter die rechte Hand während Deiner kontinuierlichen Bautätigkeit, der Bauleiter aller Bauprojekte und Kirchengemeinderat Heinz Necker und das ist Willi Nawrath, der als Zweiter Vorsitzender mit Dir über zwei Jahrzehnte den Kirchengemeinderat leiten durfte.

Wir drei stehen stellvertretend für die Liebfrauengemeinde voll Respekt und Anerkennung für Deine Leistung an Deinem Sarg und legen bewegt vom Dank für Dein 21-jähriges Wirken in unserer, in Deiner Liebfrauengemeinde einen Kranz als Zeichen der Erinnerung und fortdauernden Verbindung nieder und sprechen mit dem Psalmisten David: Behüte dich Gott, bei ihm bist du geborgen – und mit David mögest Du ab nun sprechen: O Gott, mein Herr bist du. Mein ganzes Glück bist du allein.

Willi-Klaus Nawrath